Geschichte
Die Geschichte von Lorem Ipsum: von Cicero bis ins Webdesign
Woher stammt Lorem Ipsum? Die Reise vom Cicero-Text aus dem Jahr 45 v. Chr. über Letraset-Buchstaben bis zum digitalen Blindtext im Browser.
Inhalt
Kaum ein Textbaustein hat sich so hartnäckig gehalten wie diese fünf Wörter. Wer eine Seite layoutet, ein Plakat setzt oder eine Website baut, greift seit Jahrhunderten zum selben Platzhalter. Doch hinter dem scheinbaren Kauderwelsch steckt ein antiker philosophischer Text und eine bemerkenswerte Reise durch die Mediengeschichte.
Ein Satz, der gar kein Satz ist
“Lorem ipsum dolor sit amet” liest sich auf den ersten Blick wie Latein, ergibt aber keinen sinnvollen Satz. Das ist kein Zufall, sondern der eigentliche Trick. Der Text soll wie Sprache aussehen, ohne lesbar zu sein. Schon das erste Wort verrät die Manipulation: “Lorem” existiert im Lateinischen nicht. Es ist die abgeschnittene zweite Hälfte von “dolorem”, was so viel wie “Schmerz” oder “Leid” bedeutet.
Beim Zusammenstellen des Schriftmusters fiel die erste Silbe weg, und übrig blieb das rätselhafte “Lorem”. Genau diese Verstümmelung ist der Grund, warum sich Generationen von Setzern gefragt haben, was der Text eigentlich bedeutet. Die ehrliche Antwort lautet: nichts Zusammenhängendes. Wer den Generator auf dieser Seite nutzt, erzeugt also keinen geheimen lateinischen Spruch, sondern bewusst entkernten Blindtext. Mehr dazu, was genau dahintersteckt, lesen Sie im Ratgeber Was ist Lorem Ipsum?.
Die antike Quelle: Cicero im Jahr 45 v. Chr.
Der eigentliche Ursprung liegt rund zwei Jahrtausende zurück. Marcus Tullius Cicero, Anwalt, Redner und Staatsmann der späten römischen Republik, verfasste im Jahr 45 v. Chr. die Schrift “De finibus bonorum et malorum”, auf Deutsch “Über die Grenzen des Guten und Bösen”. Es handelt sich um eine philosophische Abhandlung, in der Cicero verschiedene ethische Schulen seiner Zeit gegenüberstellt, darunter die Lehre der Epikureer über Lust und Schmerz als Maßstab des Handelns.
Genau aus diesem Werk stammen die Bausteine des heutigen Blindtextes. Die verwendeten Passagen finden sich in den Abschnitten 1.10.32 und 1.10.33. Dort diskutiert Cicero die Frage, warum jemand Schmerz auf sich nimmt, um eine größere Freude zu erlangen, und warum niemand die Lust an sich verachtet. Ausgerechnet eine ernste Erörterung über Glück und Leid wurde so zur meistgenutzten Textattrappe der Welt.
Neque porro quisquam est qui dolorem ipsum quia dolor sit amet, consectetur, adipisci velit.
Im Originalsatz steckt die Wortfolge “dolorem ipsum quia dolor sit amet”. Übersetzt bedeutet sie sinngemäß, dass niemand den Schmerz um seiner selbst willen liebt. Hier wird sichtbar, wie der berühmte Blindtext-Anfang entstand: Man nehme “dolorem ipsum dolor sit amet”, schneide die erste Silbe von “dolorem” ab und schon hat man “Lorem ipsum dolor sit amet”.
Vom Setzkasten ins Muster-Schriftbuch
Wie kam ein antiker Philosophentext in die Werkstätten der Buchdrucker? Die gängige Erklärung führt ins 16. Jahrhundert. In dieser Zeit habe ein unbekannter Schriftsetzer einen Kasten mit Lettern genommen und daraus ein Schriftmuster-Buch zusammengestellt. Solche Musterbücher zeigten Kunden, wie eine bestimmte Schriftart in gesetztem Text aussieht.
Damit der Blick auf die Buchstabenformen und nicht auf den Inhalt fällt, eignete sich ein lateinischer, aber unleserlich gemachter Text ideal. Der Setzer griff zu Ciceros Passagen, würfelte Wörter durcheinander, kürzte und veränderte sie. Das Ergebnis war ein Strom aus lateinisch anmutenden Wortbildern ohne durchgängigen Sinn. Genau diese Eigenschaft macht den Reiz aus und ist bis heute der Grund, warum Designerinnen und Designer zu Blindtext greifen.
Letraset: der Sprung in die Massennutzung
Lange blieb Lorem Ipsum ein Werkzeug einzelner Druckereien. Den Durchbruch zur breiten Bekanntheit brachten die 1960er Jahre und ein britisches Unternehmen namens Letraset. Letraset stellte Anreibebuchstaben her, sogenannte Trockenbuchstaben auf Transferfolien. Grafiker konnten damit einzelne Lettern direkt auf ihre Entwürfe übertragen, ohne eine Setzerei zu beauftragen.
Auf den Letraset-Bögen waren neben den Buchstaben auch fertige Textmuster abgebildet, und dort tauchte Lorem Ipsum prominent auf. So wanderte der Blindtext aus den Druckereien in die Ateliers von Werbeagenturen, Grafikstudios und Verlagen. Eine ganze Generation von Gestalterinnen und Gestaltern lernte den Text als Standard kennen. Die Verbreitung über Letraset gilt als entscheidender Schritt, der Lorem Ipsum vom Geheimtipp zur Branchen-Selbstverständlichkeit machte.
45 v. Chr.
Cicero verfasst die Quelle
16. Jh.
Schriftsetzer mischt das Muster
1980er
Sprung ins Digitale
Der Sprung ins Digitale: PageMaker und Aldus
Den nächsten großen Schub brachte die Computerrevolution im Druck. In den 1980er Jahren entstand das Desktop-Publishing, also das Layouten am Bildschirm statt am Setzkasten. Das Programm Aldus PageMaker, eine der prägenden Anwendungen dieser Bewegung, lieferte Lorem Ipsum als vorgefertigten Platzhaltertext mit. Wer eine Vorlage öffnete oder einen Textrahmen anlegte, bekam den vertrauten Klassiker gleich serviert.
Damit war der Übergang vom analogen zum digitalen Arbeiten vollzogen. Der Text, der einst über Bleilettern verteilt wurde, war nun ein paar Tastendrücke entfernt. In den folgenden Jahrzehnten übernahmen unzählige Programme, Vorlagen und schließlich Webtools dieses Erbe. Heute genügt ein Klick, um Absätze, Wörter oder Zeichen zu erzeugen, ganz lokal im Browser, wie es der Generator auf dieser Seite tut.
-
45 v. Chr.
Cicero schreibt De finibus
Die philosophische Schrift über die Grenzen des Guten und Bösen entsteht. Die Abschnitte 1.10.32–1.10.33 liefern später das Rohmaterial.
-
16. Jahrhundert
Geburt des Blindtextes
Ein unbekannter Schriftsetzer verwürfelt Ciceros Wörter zu einem Muster-Schriftbuch. Aus 'dolorem' wird 'Lorem'.
-
1960er
Letraset verbreitet den Text
Anreibebuchstaben mit aufgedrucktem Lorem Ipsum machen den Blindtext in Agenturen zum Standard.
-
1980er
Aldus PageMaker
Das Desktop-Publishing übernimmt den Klassiker als mitgelieferten Platzhalter und digitalisiert ihn.
-
Heute
Generatoren im Browser
Webtools erzeugen Blindtext in Sekunden, ganz ohne Installation oder Anmeldung.
Warum ausgerechnet dieser Text überlebt hat
Es gibt unzählige Möglichkeiten, Platzhaltertext zu erzeugen. Man könnte wiederholte Buchstaben nehmen, zufällige Wörter oder schlicht “Text Text Text” tippen. Trotzdem hat sich Lorem Ipsum über Jahrhunderte gehalten. Das hat handfeste Gründe.
Erstens trifft der Text die typische Wortlängen- und Buchstabenverteilung westeuropäischer Sprachen recht gut. Dadurch wirkt ein Layout mit Lorem Ipsum realistischer als mit monotonen Wiederholungen. Zweitens lenkt er nicht ab. Lesbarer Text verleitet dazu, den Inhalt zu beurteilen, statt die Gestaltung. Drittens ist er kulturell neutral und enthält keine Werbung, keine Politik und keine versteckte Botschaft. Und viertens, vielleicht am wichtigsten, ist er einfach Konvention geworden. Wer Lorem Ipsum sieht, versteht sofort: Hier steht noch kein echter Inhalt.
Diese Mischung aus Funktion und Tradition erklärt, warum auch moderne Werkzeuge selten neue Standards einführen. Wer mag, kann den klassischen Anfang im Generator aktivieren oder mit zufällig startenden Varianten arbeiten. Alternativen zum Latein-Klassiker, etwa deutschsprachige oder thematische Blindtexte, sind im Ratgeber Blindtext-Alternativen zusammengestellt.
| Epoche | Träger-Medium | Bedeutung für die Verbreitung |
|---|---|---|
| 45 v. Chr. | Handschrift | Cicero verfasst die Quelle, noch ohne Bezug zum Druck |
| 16. Jahrhundert | Bleilettern | Schriftsetzer erfindet den verwürfelten Blindtext |
| 1960er | Letraset-Folien | Anreibebuchstaben tragen den Text in die Agenturen |
| 1980er | Aldus PageMaker | Desktop-Publishing digitalisiert den Klassiker |
| Heute | Browser-Tools | Generatoren erzeugen Blindtext lokal und kostenlos |
Vom Antiken zum Alltäglichen
Die Geschichte von Lorem Ipsum ist ein kleines Wunder der Beharrlichkeit. Ein philosophischer Text über Lust und Schmerz, vor über zweitausend Jahren von einem römischen Redner verfasst, wurde im 16. Jahrhundert zerlegt, in den 1960ern über Anreibebuchstaben populär und in den 1980ern digital. Heute steckt dieses Erbe in jedem Klick, der Blindtext erzeugt.
Wer das nächste Mal “Lorem ipsum dolor sit amet” liest, blickt also auf eine ungewöhnlich lange Linie von Cicero über anonyme Schriftsetzer bis zu modernen Webtools. Und wer den Klassiker selbst braucht, erzeugt ihn mit dem Lorem-Ipsum-Generator in Sekunden, ganz ohne Anmeldung. Wie der Blindtext im konkreten Gestaltungsprozess eingesetzt wird, vertieft der Ratgeber Blindtext im Webdesign, und praktische Schritte zeigt die Anleitung für Word.
Häufige Fragen
Woher stammt der Text von Lorem Ipsum?
Der Text geht auf das philosophische Werk 'De finibus bonorum et malorum' von Marcus Tullius Cicero aus dem Jahr 45 v. Chr. zurück. Die Passagen stammen aus den Abschnitten 1.10.32 und 1.10.33.
Was bedeutet 'Lorem ipsum dolor sit amet'?
Es ist kein sinnvoller lateinischer Satz, sondern ein verstümmeltes Fragment. 'Lorem' ist die abgeschnittene zweite Hälfte des Wortes 'dolorem' (Schmerz). Der Anfang dient nur als Schriftmuster, nicht als lesbarer Inhalt.
Wer hat Lorem Ipsum erfunden?
Ein namentlich unbekannter Schriftsetzer im 16. Jahrhundert verwürfelte Teile des Cicero-Textes zu einem Muster-Schriftbuch. Eine einzelne Erfinderin oder einen Erfinder gibt es nicht.
Warum nutzt man ausgerechnet Latein als Blindtext?
Latein wirkt vertraut genug, um wie echter Text auszusehen, lenkt aber nicht durch lesbaren Inhalt ab. Die Wortlängen und Buchstabenverteilung ähneln zudem westeuropäischen Sprachen.
Seit wann gibt es Lorem Ipsum digital?
Verbreitung fand der Text ab den 1960ern über Letraset-Anreibebuchstaben. In den 1980ern übernahm das Desktop-Publishing-Programm Aldus PageMaker den Klassiker und brachte ihn in die digitale Welt.
Quellen
Über die Autorenschaft
Jan-Tristan Rudat
Redakteur lorem-generieren.de
Themengebiet: Geschichte des Blindtextes, Lorem Ipsum im Webdesign
Mehr über Jan-Tristan Rudat →Verwandte Artikel
Grundlagen
Was ist Lorem Ipsum? Blindtext einfach erklärt
Lorem Ipsum ist der bekannteste Blindtext der Welt. Was dahintersteckt, warum Designer ihn seit dem 16. Jahrhundert nutzen und wann echter Text besser ist.
Lesezeit 7 Min.
Webdesign
Blindtext im Webdesign: warum Platzhaltertext den Entwurf trägt
Wozu Designer Blindtext nutzen, wo Lorem Ipsum hilft und wo es schadet. Plus eine klare Empfehlung, wann echter Text in den Workflow gehört.
Lesezeit 8 Min.
Praxis
Lorem Ipsum richtig einsetzen: Menge, Format, Praxis
Wie viel Blindtext wofür? Praktische Regeln zu Mengen, Ausgabearten und HTML-Formatierung, plus die häufigsten Fehler beim Einsatz von Lorem Ipsum.
Lesezeit 7 Min.
Lorem Ipsum erzeugen
Menge und Format wählen, Blindtext sofort kopieren, ohne Anmeldung.
Zum Generator